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Der lange Weg einer Anästhesiemaschine von Lübeck in Deutschland nach Ukunda in Kenia |
 | von Fabian Dörr Schon lange war es die Vision von Dr. Kenneth Ireri seinen eigenen Operationssaal im Ukunda Medical Centre zu eröffnen. Als ich im September 2006 in seinem Krankenhaus zu arbeiten begann, war dies immer noch ein unverwirklichter Traum. Da die Ausrüstung für einen Operationssaal von unserem Verein bereits – abgesehen von einer Anästhesiemaschine – nach Ukunda gebracht wurde, war der letzte Schritt nur noch diese Maschine zu beschaffen. Schon lange versuchte der Verein in Deutschland eine gebrauchte Beatmungsmaschine auf zu treiben - leider ohne Erfolg. Herr Klaus Emmelmann knüpfte schließlich den Kontakt zu Dräger Medical in Lübeck, die uns über den Preis einer neuen Anästhesiemaschine informierten. Einige Tage später erhielten wir die wunderbare Nachricht, dass die Lübecker Firma einen Preisnachlass von 50% anbot. Allerdings erreichte uns dieses Angebot mit der Auflage, die Anästhesiemaschine noch im Jahr 2006 kaufen zu müssen. Der Auftrag hieß nun 22.500 Euro in den folgenden, knapp drei Monaten zu beschaffen. |  | | Leichter gesagt als getan, denn woher soll das ganze Geld kommen? Nach einem Kassensturz aller Mitgliedsbeiträge und ungenutzten Sponsorengeldern stellten wir fest, dass noch ungefähr 17. 500 Euro fehlten. Eine fast unrealisierbare Aufgabe. Doch wir wollten uns keinesfalls geschlagen geben. Dr. Ireri konnte und wollte sich an der Finanzierung der Anästhesiemaschine mit ungefähr 5.000 Euro beteiligen, sodass bald die aufzubringende Geldsumme reduziert werden konnte. Anfang November 2006 schrieb ich einen Bericht über meine Arbeit im Ukunda Medical Centre, den ich in der Südwest Presse veröffentlichte – mit der Hoffnung private Sponsoren zu finden. In der anstehenden Vorweihnachtszeit ereignete sich ein echtes Wunder. Mit wenig Hoffnung wurde diese Zeitungsaktion gestartet, doch nach Weihnachten hatten wir tatsächlich das ganze Geld beisammen – sogar noch etwas mehr. Somit konnte die Maschine noch im alten Jahr fristgerecht bezahlt werden. |  | | Nun begann ein nervenaufreibendes Warten. Dräger Medical musste die Anästhesiemaschine zunächst produzieren. In der fünften Kalenderwoche des Jahres 2007 lief unsere Maschine vom Band. Lübeck ist allerdings nicht Ukunda und daher musste die neue Errungenschaft noch nach Kenia transportiert werden. Die ersten Planungen für die Überführung der Maschine waren mit dem Schiff. Die Überfahrt sollte allerdings circa vier Wochen in Anspruch nehmen. Dieses Risiko wollten wir nicht in Kauf nehmen, da die Beatmungsmaschine, in einer Palette verpackt, großen Gefahren ausgesetzt gewesen wäre. Daher entschieden wir uns, das wertvolle Gut wieder aus dem Hamburger Hafen abzuholen und mit tatkräftiger Hilfe von GTZ wurde es nach Rotterdam zu Cargo transportiert. Als Zielflughafen wurde Mombasa gewählt, da man die Transportdistanz auf der Straße minimal halten wollte. Kurz vor Abflug stellte sich aber die Flugzeuglade, des Flugzeugs, das für den Transport unserer Anästhesiemaschine vorgesehen war, als zu klein heraus und der Plan musste erneut geändert werden. Nach langem Hin und Her wurde entschieden die Beatmungsmaschine in das von Ukunda knapp 600 Kilometer entfernte Nairobi zu fliegen, was den großen Nachteil eines langen und umständlichen Straßentransports nach sich zog. |  | Am Mittwoch den 7. März hatte die Anästhesiemaschine endlich das erste Mal kenianischen Boden unter den Füßen, doch noch einen weiten Weg bis zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort vor sich. Unser Agent, zuständig für die Abwicklung aller Formalitäten am Flughafen in Nairobi, machte sich sofort an die Arbeit und schaffte es nach einer durchgearbeiteten Nacht die Maschine am Donnerstag an eine private Zustellerfirma auszuliefern, die für den eintägigen Transport von Nairobi nach Ukunda beauftragt war. Am darauf folgenden Freitag erreichte der Transporter Mombasa, doch hier war die Reise vorerst zu Ende. Die Gründe für diesen ungeplanten Stopp sind bis heute unbekannt. Dr. Ireri fuhr nach Mombasa, um sich persönlich um den Weitertransport zu kümmern. Nach einigen Stunden des Verhandelns wurde die Anästhesiemaschine ein letztes Mal verladen. In den Abendstunden des Freitags erreichte die Beatmungsmaschine Ukunda, doch der Tag war noch nicht vorüber. Wir wurden informiert, dass es untersagt sei ohne Ingeneure von Dräger die Maschine auszupacken, weil ein Garantieverfall drohte. Kurzer Hand entschieden wir die Maschine in einer Lagerhalle in Ukunda unterstellen, da der Vorplatz des Medical Centre unbewacht zu gefährlich war und die Anästhesiemaschine in unausgepacktem Zustand nicht durch die Türe passte. Am Samstag nahmen wir Kontakt zu den Dräger-Ingenieuren auf, die sich glücklicherweise für Wartungsarbeiten in der Nähe befanden. Wir bekamen die Erlaubnis die Maschine teilweise aus ihren Hüllen zu befreien, um sie wenigstens im Krankenhaus lagern zu können, denn wie sich herausstellte war die Lagerhalle ebenfalls nicht hundertprozentig sicher. Für Montag wurde mit den Ingenieuren ein Termin zur Einführung in das neue Gerät vereinbart. Parallel zum Transport der Maschine wurde seit Mitte Februar in kenianischer Geschwindigkeit im Medical Centre der Operationssaal gebaut. Er entstand in den Räumlichkeiten des alten Labors, das jedoch in den letzten Jahren als Abstellraum verwendet wurde. Der Lethargie der Bauarbeiter ist es zu verdanken, dass der Operationssaal am Dienstagabend leider noch nicht fertig war. |  | Obwohl wir noch keine Waschbecken und Klimaanlagen im Operationssaal installiert hatten, zogen wir uns am Abend die OP-Kleidung an und legten einen unserer Laborarbeiter auf den OP-Tisch. So entstand wenige Stunden vor meinem Abflug nach Deutschland das erste Bild in dem fast fertigen neuen Operationssaal des Ukunda Medical Centres. Die erste echte Operation, im mittlerweile fertig gestellten Operationssaal, wurde am Montag den 19. März 2007 im Krankenhaus in Ukunda durchgeführt. Pro Woche wird seither durchschnittlich zweimal operiert. Dieses Projekt konnte nur durch das unglaublich große Engagement einiger Vereinsmitglieder, allen voran einmal mehr Klaus Emmelmann, verwirklicht werden. Wir möchten uns auch für die wunderbare Zusammenarbeit mit Dräger Medical und GTZ bedanken, die sich ebenfalls in größtem Maße für den Operationssaal im Ukunda Medical Centre eingesetzt haben. Auch den Lesern und Spendern der Südwest Presse gilt auf diesem Wege mein persönlicher Dank. Sie haben nicht nur geholfen einen Traum zu verwirklichen, sondern auch maßgeblichen Anteil am Retten von Menschenleben in Afrika. |
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